In der heutigen Zeit ist es kaum vorstellbar, einen Tag ohne den Blick in soziale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp oder Instagram zu verbringen. Ihre Beliebtheit wächst stetig, da immer mehr Menschen und Märkte in die digitale Welt eintauchen. Gleichzeitig ist das digitale Umfeld ein Spielplatz für Hacker, Cyberkriminelle und Datenhändler, die versuchen, unsere Schwächen auszunutzen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die größten Gefahren von Social Media und zeigen dir, wie du ihnen entkommst.
Der Erfolg der Social-Media-Plattformen ist leicht nachzuvollziehen: süße Tierbilder, Einblicke in das Leben der Freunde durch Stories oder Schlagzeilen, die in Tweets verbreitet werden, machen das Erlebnis verlockend. Doch hinter dieser scheinbar perfekten Welt verbergen sich auch dunkle Seiten.
Um emotionale, soziale und finanzielle Schäden zu verhindern, ist es unerlässlich, sich zu schützen.
Da das Internet allen zugänglich ist – ganz gleich, ob mit guten oder schlechten Absichten – kann jeder von uns den Gefahren der sozialen Netzwerke ausgesetzt sein.
9 Arten von Risiken und Gefahren in Social Media
Die Unternehmen hinter den Plattformen sind sich der Herausforderungen bewusst und arbeiten kontinuierlich daran, die Sicherheit zu erhöhen und ihre Nutzer vor Cyberkriminellen zu schützen. Maßnahmen wie Verifizierungscodes, Nachrichtenverschlüsselung und weitere Schutzvorkehrungen schaffen eine zusätzliche Barriere zwischen den Nutzern und potenziellen Angreifern, um deren kriminelle Aktivitäten effektiv einzudämmen.
Eine weitere, sehr grundlegende Maßnahme ist die Altersgrenze für den Zugang zu jeder Plattform. Wie oft haben wir schon beobachtet, dass Minderjährige soziale Netzwerke nutzen, häufig mit der Zustimmung der Eltern, obwohl dies eigentlich gegen die Regeln der Plattformen verstößt.
In Deutschland gelten für die Nutzung sozialer Netzwerke folgende Mindestalter:
- 13 Jahre für Instagram, Snapchat und Facebook. Diese Plattformen legen ein Mindestalter von 13 Jahren fest, jedoch dürfen bestimmte Funktionen, die personenbezogene Daten betreffen, erst ab 16 Jahren mit elterlicher Zustimmung genutzt werden.
- 16 Jahre für WhatsApp, LinkedIn und Twitter. Laut DSGVO dürfen Dienste in der EU ohne elterliche Zustimmung erst ab 16 Jahren personenbezogene Daten verarbeiten. Plattformen wie WhatsApp und LinkedIn haben dieses Alter daher festgelegt. Auch Twitter benötigt in Deutschland eine Zustimmung für Nutzer unter 16 Jahren.
- 16 Jahre für YouTube. YouTube erlaubt in Deutschland die eigenständige Nutzung ab 16 Jahren. Allerdings müssen Eltern der die Registrierung von Personen zwischen 16 und 18 Jahren bei YouTube noch zustimmen. Für jüngere Nutzer gibt es die Möglichkeit, ein Google Family Link-Konto einzurichten, was die Nutzung ab 13 Jahren ermöglicht.
Wenn Konten von Minderjährigen entdeckt werden, die sich durch falsche Angaben Zugang verschafft haben, können diese gesperrt werden, und die betroffenen Nutzer werden per E-Mail darüber informiert.
Doch nicht nur Kinder sind den Risiken sozialer Netzwerke ausgesetzt. Auch Erwachsene können die negativen Folgen einer unvorsichtigen Nutzung deutlich zu spüren bekommen.
Um zu wissen, wie man die Gefahren der sozialen Netzwerke vermeidet, muss man zunächst lernen, sie zu identifizieren. Es gibt viele Risiken im Zusammenhang mit der unsachgemäßen Nutzung sozialer Netzwerke.
Wir gehen auf die neun wichtigsten ein.
1. Cybermobbing
Diese Form des Mobbings findet in digitalen Plattformen statt. Die Opfer können durch Hassbotschaften, Online-Belästigungen oder Verleumdungen schweren psychologischen Schaden erleiden, was zu Depressionen und Angstzuständen führen kann.
Eine verantwortungsvolle und respektvolle Nutzung der sozialen Netzwerke ist der Schlüssel, um nicht in diese Falle zu geraten. Zudem ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es rechtlicher oder psychologischer Art, um diesen Risiken zu begegnen.
Je weniger persönliche Informationen du teilst, desto besser. Angaben wie deine Schule, dein Geburtsort oder deine Urlaubspläne sind nützliche Informationen für jemanden, der dich bedrohen oder belästigen will. Ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Netzwerken und das Wissen um die bestehenden Gefahren ist entscheidend, um jede Form von Mobbing zu vermeiden.
2. Phishing und Betrug
Phishing-Angriffe und Online-Betrügereien sind in sozialen Netzwerken zunehmend verbreitet. Betrüger senden gefälschte Nachrichten mit dem Ziel, persönliche und finanzielle Daten zu stehlen. Diese Angriffe können zum Verlust sensibler Daten und zu ernsthaften finanziellen Problemen führen.
Diese betrügerischen Links leiten häufig auf Webseiten weiter, die Viren enthalten, die in Form von Anzeigen oder Posts getarnt sind. Sie können Spam-Nachrichten senden oder direkt an private Daten gelangen.
Um Betrug und Scams zu vermeiden, solltest du immer die Authentizität der empfangenen Nachrichten und Angebote überprüfen. Achte außerdem darauf, dass die Webseite, auf die du weitergeleitet wirst, über ein zuverlässiges SSL-Zertifikat verfügt.
3. Exposition gegenüber unangemessenen Inhalten
Eines der größten Risiken für Jugendliche in sozialen Netzwerken ist die mögliche Konfrontation mit unangemessenen Inhalten, wie Gewalt, expliziter Sexualität oder Hassreden. Diese können sich negativ auf ihre Entwicklung und ihr Weltbild auswirken.
Eltern sollten daher unbedingt Werkzeuge zur elterlichen Kontrolle einsetzen und die Online-Aktivitäten ihrer Kinder überwachen, wann immer dies möglich ist.
4. Social-Media-Sucht
Die Sucht nach sozialen Netzwerken ist ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen verbringen stundenlang Zeit damit, Nachrichten zu lesen und Videos anzusehen, ohne dass dies einen wirklichen Zweck erfüllt. Das beeinträchtigt die Produktivität, persönliche Beziehungen und reduziert die Zeit für bereichernde Aktivitäten wie Lesen oder Sport.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, solltest du dir klare Grenzen setzen und dir bewusst machen, wie viel Zeit du wirklich auf sozialen Plattformen verbringst.
5. Datenschutz- und Datensicherheitsprobleme
Die Sammlung und der Missbrauch persönlicher Daten durch Dritte ohne Zustimmung ist ein großes Risiko in sozialen Netzwerken. Du solltest dir der verfügbaren Datenschutzeinstellungen bewusst sein und sehr vorsichtig sein, wenn du persönliche Informationen teilst, um deine Privatsphäre und Sicherheit zu schützen.
Außerdem schützt die Nutzung hochwertiger VPN-Software deine Online-Aktivitäten vor Bedrohungen oder Nachverfolgungen.
6. Auswirkungen auf die psychische Gesundheit
Die übermäßige Nutzung von sozialen Netzwerken wurde mit psychischen Gesundheitsproblemen wie Angstzuständen, Depressionen und niedrigem Selbstwertgefühl in Verbindung gebracht, insbesondere bei jungen Menschen. Die ständige Vergleichbarkeit mit idealisierten Leben und die Suche nach Bestätigung durch „Likes“ können das emotionale Wohlbefinden beeinträchtigen.
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass nicht alles, was man in den sozialen Netzwerken sieht, real ist, und Hilfe zu suchen, wenn man negative Gefühle oder Auswirkungen bemerkt.
7. Unsicherheit durch „Likes“
Dieses Problem betrifft vor allem junge Menschen, die in einer Lebensphase sind, in der sie Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen. Traditionell geschah dies persönlich, aber durch neue Technologien haben sich diese Beziehungen auf Bildschirme verlagert.
Das Problem tritt auf, wenn eine Person nur darauf wartet, Benachrichtigungen zu erhalten, nachdem sie Stories oder Beiträge hochgeladen hat, in der Hoffnung, dass die Leute reagieren oder Freundschaftsanfragen stellen. Diese Abhängigkeit von Likes kann jedoch zu Unsicherheiten führen.
Es gibt zahlreiche Dokumentationen, wie beispielsweise The Social Dilemma, die die verführerischen Mechanismen der sozialen Netzwerke aufzeigen. Das Bewusstsein über die Gefahren und eine klare Einschätzung, ob du selbst von einer Abhängigkeit betroffen bist, sind wichtige Schritte, um dieses Problem zu vermeiden.
8. Vorsicht im beruflichen Umfeld
Ein weiteres Risiko, das mit sozialen Netzwerken verbunden ist, betrifft die Rekrutierungspraxis von Personalabteilungen, die potenzielle Kandidaten für eine Stelle über deren Profile in sozialen Netzwerken durchleuchten.
Diese Informationen dienen oft als erster Filter, um diejenigen auszusortieren, die einen schlechten Eindruck hinterlassen.
Daher solltest du intime oder kompromittierende Fotos entfernen und darauf achten, dass deine öffentlichen Beiträge keine negativen Rückschlüsse auf deine Person zulassen.
Auch Kommentare oder Beiträge können missverstanden werden oder gegen dich verwendet werden. Sei daher vorsichtig, wie du dich online verhältst.
9. Fake News
Fake News, oder Falschmeldungen, sind in den letzten Jahren zu einem immer größeren Problem geworden und haben die Meinungen von Millionen Menschen verändert. Sie verbreiten sich rasant in sozialen Netzwerken und können die öffentliche Meinung stark beeinflussen, wenn die Nachrichten nicht überprüft werden.
Vor allem politische Themen stehen häufig im Fokus dieser Desinformation, die dazu führt, dass Falschmeldungen verbreitet werden. Das Lesen und Verbreiten von falschen Informationen kann gefährliche Auswirkungen haben.
Auch das Posten bestimmter Kommentare, die andere beleidigen oder diffamieren, kann rechtliche Konsequenzen haben.
Die Gefahren von Social Media - Fazit
Die Gefahren von Social Media sind real und allgegenwärtig. Wenn du kein Grundverständnis für den Umgang mit sozialen Netzwerken hast, können die Folgen fatal sein.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Tipps, um dich zu schützen:
- Stelle deine Profile so ein, dass nur deine Freunde deine Informationen sehen können.
- Teile keine persönlichen Daten oder Informationen über deine Urlaubspläne.
- Akzeptiere keine Freundschaftsanfragen oder Nachrichten von Unbekannten.
- Klicke nicht auf unbekannte oder verkürzte Links.
- Melde verdächtige oder beleidigende Accounts.
- Trenne, wenn nötig, deine beruflichen und privaten Konten.
Wenn du diese grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen befolgst, kannst du die positiven Aspekte der sozialen Netzwerke genießen, ohne den Gefahren zum Opfer zu fallen.
Quellen zum Thema: Gefahren von Social Media
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